Kindle for Android auf einem Smartphone

Den überwiegenden Teil meiner täglichen Lektüre-Zeit verbringe ich damit, Texte auf einem Bildschirm zu lesen. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um E-Mails, Blog-Beiträge, Webseiten und PDF-Dateien. Letztere drucke ich nur dann aus, wenn ich den Inhalt als sehr wichtig einstufe und/oder die Aufbereitung des Inhalts ein Lesen am Bildschirm sehr umständlich macht. Viele Inhalte sind innerhalb weniger Minuten am Bildschirm gelesen und ein Ausdruck auf Papier wäre Zeit-, Toner-, Energie- und Papierverschwendung. Nicht weil der Inhalt unwichtig wäre, sondern eher, weil er flüchtiger Natur ist und mit Zeitungsartikeln vergleichbar ist (häufig handelt es sich sogar um Zeitungsartikel). Seit ich ein Smartphone besitze, kann ich an einem Tag mehr Inhalte verarbeiten als zuvor, weil ich die meisten Inhalte immer griffbereit auf dem Smartphone habe und so Warte- beziehungsweise Fahrtzeiten effizienter nutzen kann. Mein Reisegepäck hat sich dadurch deutlich reduziert, was ich sehr angenehm finde. Bislang konsumiere ich an Bildschirmen allerdings überwiegend fachliche Informationen oder Nachrichten. Gegen Unterhaltungsliteratur am Bildschirm sträube ich mich merkwürdigerweise. Die Gründe dafür sind vielfältig, wie ich inzwischen herausgefunden habe. »Messbare« Gründe, die für mich gegen eine Verwendung von Kindle for Android sprechen, habe ich im Folgenden zusammengefasst.

Der Kindle ist der E-Book-Reader von Amazon, der zunächst als eigene Hardware veröffentlicht und später als Software auch auf anderen Plattformen wie Tablet-Computern und Smartphones zur Verfügung gestellt wurde. Mit Kindle for Android kann ich also auf meinem HTC Desire Kindle-Medien ansehen; doch aus meiner Sicht mehr schlecht als recht. Man hat verschiedene Anzeigeoptionen, mit der man die Darstellung des Textes verändern kann:

Anzeigeoptionen von Kindle für Android

Anzeigeoptionen von Kindle for Android

Man kann also

  • Schriftgröße,
  • Durchschuss,
  • Seitenränder und
  • Hintergrund- beziehungsweise Schriftfarbe

nach bestimmten Vorgaben einstellen. Einige Kombinationen habe ich in Bildschirmfotos festgehalten. Die fünf Schriftgrößen bezeichne ich von Schriftgröße 1 bis 5 und die Durchschuss-Optionen von Durchschuss 1 bis 3. Bei den Rändern demonstriere ich nur die erste Variante mit kleinen Rändern. Denn größere Ränder bedeuten kürzere Zeilen und somit noch schlechteren Blocksatz. Flattersatz lässt sich leider nicht einstellen, was angesichts des schlechten Blocksatzes, den Kindle produziert, wünschenswert wäre. Denn guter Flattersatz ist allemal besser als schlechter Blocksatz, wobei ich guten Blocksatz gutem Flattersatz eindeutig vorziehe. Dass der Kindle optischen Randausgleich liefert, habe ich nicht erwartet. Aber dass bei so schlechtem Blocksatz, egal bei welcher Schriftgröße, keine Option für Flattersatz angeboten wird, überrascht mich schon. Mir ist klar, dass die Umbruch-Möglichkeiten eines E-Book-Readers begrenzt sind. Aber bessere Lösungen sind durchaus möglich.

Erwartungsgemäß ist der Blocksatz bei der kleinsten Schriftgröße am besten. Mit zunehmender Schriftgröße wird der Blocksatz schlechter.

Schriftgröße 1, Durchschuss 1

Schriftgröße 1, Durchschuss 1

Schriftgröße 2, Durchschuss 1

Schriftgröße 2, Durchschuss 1

Schriftgröße 3, Durchschuss 1

Schriftgröße 3, Durchschuss 1

Schriftgröße 4, Durchschuss 1

Schriftgröße 4, Durchschuss 1

Schriftgröße 5, Durchschuss 1

Schriftgröße 5, Durchschuss 1

Der Vollständigkeit halber noch Beispiele mit Durchschuss 2 und …

Schriftgröße 1, Durchschuss 2

Schriftgröße 1, Durchschuss 2

Schriftgröße 2, Durchschuss 2

Schriftgröße 2, Durchschuss 2

Schriftgröße 3, Durchschuss 2

Schriftgröße 3, Durchschuss 2

… Durchschuss 3:

Schriftgröße 1, Durchschuss 3

Schriftgröße 1, Durchschuss 3

An der grundsätzlichen Qualität des Blocksatzes ändert sich dadurch natürlich nichts, auch wenn der Durchschuss spürbaren Einfluss auf die Leserlichkeit des Textes hat.

Wer sich die Bildschirmfotos in voller Auflösung (800 x 480) auf einem Desktop-Bildschirm ansieht, wird an Schriftgröße 1 kaum etwas auszusetzen haben. Die Abmessungen meines Smartphone-Displays, auf dem die 800 Pixel x 480 Pixel dargestellt werden, beträgt allerdings nur 4,8 Zentimeter x 8,1 Zentimeter im Hochformat. Da ist mir Schriftgröße 1 bei serifenbehafteter Schrift und PenTile Matrix zu klein. Sieht es denn im Querformat besser aus? Durchaus. Aber für mich immer noch nicht befriedigend.

Schriftgröße 1, Durchschuss 3, Querformat

Schriftgröße 1, Durchschuss 3, QuerformatSchriftgröße 1, Durchschuss 3

Bei der für mich besser zu lesenden Schriftgröße 2 sieht es wider Erwarten gar nicht mal schlechter aus:

Schriftgröße 2, Durchschuss 3, Querformat

Schriftgröße 2, Durchschuss 3, Querformat

Dennoch empfinde ich die Wortzwischenräume bei beiden Schriftgrößen als zu groß. Außerdem bereitet mir das Lesen im Querformat keine Freude. Wenn ich wenigstens zeilenweise scrollen könnte …

Ich werde mir in absehbarer Zeit sicherlich keine Kindle-Bücher kaufen. Für meine Bedürfnisse ist die Technologie noch nicht ausgereift. Das Problem mit engen und optisch gleich großen Wortzwischenräumen löst der Android-Browser dank text reflow deutlich besser. Wie es mit anderen E-Book-Readern aussieht, weiß ich nicht. Ich hatte nur einmal kurz auf einem iPad2 die Gelegenheit mir ein E-Book anzusehen – da war mir aber die Auflösung des Displays zu niedrig, um überhaupt Spaß daran zu haben.

Bis auf Weiteres schleppe ich auf Reisen doch lieber das ordentlich gesetzte Buch mit mir rum.

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typokurz 1.7

Nach 2½ Jahren habe ich es endlich geschafft, eine neue Version von typokurz fertigzustellen. Zwar hatte ich den größten Teil der nun enthaltenden Änderungen schon kurz nach dem Erscheinen von Version 1.6 eingearbeitet. Aber mit einem besonders aufmerksamen Leser, Stephan Hennig, hatte ich einige diffizile sprachliche und grammatikalische Feinheiten zu klären. Dazu kamen Zeitmangel und meine Unentschlossenheit, typokurz grundlegend zu überarbeiten. Dies habe ich nun auch nicht getan, weil ich keine Notwendigkeit dazu sehe. Zwar habe ich durchaus Lust, typokurz neu zu gestalten, aber dazu fand ich bisher nicht die Zeit. Die Resonanz auf typokurz ist außerdem durchgehend positiv und ich bin immer wieder überrascht welche Kreise diese kleine Anleitung seit dem Erscheinen 2005 gezogen hat. All denen, die zur Verbreitung von typokurz beigetragen haben, sei an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt! Wer seine bevorzugte Suchmaschine mit »typokurz« füttert, wird sehen wie weit typokurz inzwischen verbreitet ist. Aus Rückmeldungen per E-Mail weiß ich, dass typokurz auch an vielen Universitätsinstituten als Vorgabe für das Gestalten von Semester- und Abschlussarbeiten verwendet wird.

Version 1.7 ist kein großer Wurf, die Änderungen beschränken sich im Wesentlichen auf orthografische Korrekturen, Umformulierungen und Änderungen am LaTeX-Code; ein weiteres Beispiel für den Bis-Strich ist hinzugekommen. Die auffälligste Änderung sind die blauen Randbemerkungen. Die, die ihre Ergänzungsvorschläge nicht realisiert sehen, sollen bitte nicht enttäuscht sein. Aber wie ich schon in den privaten E-Mails mitteilte, lebt typokurz von seiner Kürze. Natürlich gäbe es noch viel mehr zu ergänzen – ich habe viele Ideen –, aber dann wäre typokurz nicht mehr typokurz und fände auch nicht mehr die zahlreiche Leserschaft. Wer durch typokurz für die Thematik sensibilisiert wurde und mehr über Typografie wissen möchte, findet im Literaturverzeichnis von typokurz einige Anregungen. Ein guter Start ist »Erste Hilfe in Typografie« von Willberg und Forssman.

Download typokurz und weitere Informationen: https://zvisionwelt.files.wordpress.com/2012/01/typokurz.pdf